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Ein Fohlen wird geboren Teil 2
 

Die Geburt ist im Gang
Wir versuchen so schnell wie möglich zu erkennen, ob das Fohlen in einer normalen Kopflage liegt (Kopf und Vorderbeine kommen zuerst), oder aber in einer Steißlage, wobei Schweif und Kruppe und/oder Hinterbeine zuerst den Körper der Stute verlassen. Eine Kopflage bedarf im allgemeinen keiner dringenden Hilfe, ausgenommen ein Beinchen liegt verkehrt. Man hüte sich davor, bei den ersten Presswehen der Stute direkt Schnüre an die Vorderfüße des Fohlens zu binden und mit zu ziehen; Man fügt dann mehr Schaden zu, als dass geholfen wird. Eine Steißlage jedoch bedarf äußerster Wachsamkeit. Die Nabelschnur wird nämlich relativ schnell abgeklemmt, wenn das Fohlen durch die Presswehen ausgetrieben wird. Dieses Abklemmen bedeutet, dass der Kohlensäurespiegel im Blut des Fohlens sehr schnell steigt. Das Gehirn des Fohlens gibt dann einen starken Atmungsreflex ab, wodurch das Fohlen, koste es was es wolle, Luft holen will. Wenn das Fohlen dann noch mit seinem Kopf in der Stute sitzt (mit Nase und Mund im Fruchtwasser), kann das sehr schnell zu einer akuten Erstickung und zum Tod des Fohlens führen. Aus Erfahrung wissen wir, dass so etwas innerhalb einiger Minuten geschehen kann. Bei einer Steißlage ist immer höchste Aufmerksamkeit geboten. Die einzige Aufgabe in dem Moment, in dem das Fohlen normal über die Kopflage heraus getrieben wird, ist das Freimachen und Freihalten der Nase des Fohlens. Hierdurch kann es normal Atem holen. Für den Rest lässt man Stute und Fohlen so viel wie möglich in Ruhe.
 
 

Nabel
Auf keinen Fall sollte man die Stute direkt nach der Geburt auf die Beine jagen und auch die Nabelschnur nicht sofort abbinden. Je länger diese intakt bleibt, umso mehr Restblut erreicht das Fohlen aus der Nachgeburt. Wenn die Stute nach einiger Zeit aufsteht, reißt die Nabelschnur meistens an der richtigen Stelle ab. Man desinfiziert diese bei dem Fohlen mit einer Jodlösung. Hierbei ist immer die größtmögliche Hygiene eine wichtige Vorraussetzung.
Ein frisch geborenes Fohlen ist sehr anfällig für Infektionen, da es fast ohne natürliche Abwehrstoffe geboren wird.
Vor allem der Nabel ist oft die Eingangspforte für Infektionen. Dies gilt nicht nur direkt nach der Geburt, sondern auch in den ersten Tagen bis Wochen danach.
Der Nabel eines frisch geborenen Fohlens muss innerhalb einiger Tage nach der Geburt gut trocken und unempfindlich sein.

Die Nachgeburt
Wenn die Stute steht und sich ihres Fohlens annimmt, ist es nötig, die Nachgeburt, wenn sie noch nicht direkt abgefallen ist, hochzubinden, so dass die Stute sich nicht darauf stellen kann. Es ist ein Ammenmärchen, dass Stuten die Nachgeburt fressen und man in der Box nach der Geburt nichts mehr davon findet. Kurzum, wenn man nach dem Abfohlen die Nachgeburt nicht direkt findet, ist ein gründliches durchsuchen der Box angesagt. Sie muss gefunden werden, weil die komplette Nachgeburt zu kontrollieren ist. Jedes winzige in der Stute zurückgebliebene Stückchen Nachgeburt kann fatal sein und sehr schnell eine Gebärmutterentzündung auslösen, meistens gefolgt von Hufrehe mit oft fatalem Verlauf. Auch wenn die Nachgeburt komplett und schön schnell nach dem Abfohlen abgegangen ist, kann manchmal eine Gebärmutterentzündung entstehen. Die Nachgeburt sollte also ganz vollständig sein und zur Kontrolle durch Ihren Tierarzt aufbewahrt werden. Die Nachgeburt muss innerhalb von zwei Stunden nach der Geburt des Fohlens abgegangen sein. Ansonsten wird der Tierarzt in den meisten Fällen eine Injektion oder eine Infusion mit Wehen anregenden Mitteln verabreichen, wodurch die Nachgeburt nachträglich herauskommt. Geschieht das nicht, entfernt er die Nachgeburt mit der Hand aus der Gebärmutter (ausschälen). Danach wird die Gebärmutter einige Male (manchmal Tage) gespült, um alle Restbestände zu entfernen. Vor allem bei einer nicht normal verlaufenden (Nach)geburt ist es wünschenswert, dass man im Laufe einiger Tage wenigstens zwei Mal pro Tag bei der Stute die Körpertemperatur misst. Diese schwankt normalerweise zwischen 37,5 und 38,2° Celsius. Während und kurz nach der Geburt ist die normale Temperatur etwas erhöht. Steigt nach der Geburt die Temperatur auf bis zu 39° C und höher, ruft man ebenfalls umgehend den Tierarzt im Hinblick auf das große Risiko von Hufrehe bei der Stute. Zweimal täglich Messen der Temperatur gibt den besten Hinweis darauf, ob es ein mögliches Problem gibt. Das hat schon oft Stutenleben gerettet.

 

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